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Einsatzprotokoll

Am 05. September 1999 um 18:26 Uhr wurde die Feuerwehr Kaltenkirchen mit der folgenden Meldung alarmiert:
FeuGr, Kaltenkirchen, Friedenstr. 9, brennt Bürgerhaus

Folgende Einsatzkräfte waren im Einsatz:
80/11, 80/19, 80/23, 80/32, 80/44/1, 80/44/2, 80/45, 80/52, 80/54, Kater 2, Kater 2/01, Kater 75, FF Alveslohe, FF Henstedt-Ulzburg, FF Kisdorf, FF Lentföhrden, FF Norderstedt (12 Fahrzeuge), FF Nützen, FF Oersdorf, FF Schmalfeld, DRK Kaltenkirchen, THW Kaltenkirchen, Rettungsdienst, Polizei

Eckdaten des Einsatzes:
18:26 h: Vollalarm für die FF Kaltenkirchen
18:31 h: Sirenenalarm für Kaltenkirchen
18:31 h: Rückmeldung vom Einsatzleiter: Dach im Vollfeuer, 2. Alarm auslösen
18:31 h: Es wird der 2. Alarm ausgelöst. Somit werden die Wehren Alveslohe, Henstedt-Ulzburg, Kisdorf, Oersdorf und Schmalfeld alarmiert.
  Im Verlauf des Einsatzes werden zusätzlich die Wehren Lentföhrden, Nützen und Norderstedt alarmiert.
03:40 h: Einsatzende für die Feuerwehr

Einsatz Nr.: 178
Anzahl Einsatzkräfte: 67 (FF Kaltenkirchen)
Einsatzleiter: Bernd Bendowski


Bild der NZ

Foto der Norderstedter Zeitung

Quelle: Hamburger Abendblatt, Norderstedter Zeitung (NZ), erschienen am 7. September 1999

 

Bürgerhaus wurde ein Raub der Flammen

Kaltenkirchen - Keine 24 Stunden nach dem heimtückischen Brandanschlag auf das Kaltenkirchener Bürgerhaus - die NZ berichtete - ist das gesamte Gebäude in Flammen aufgegangen und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Trotz Großalarms für die Feuerwehren aus Kaltenkirchen und Umgebung, für Rettungsdienste und Polizei war das älteste Haus der Stadt nicht mehr zu retten. Wenn auch die Kriminalpolizei Bad Segeberg, die noch in der Nacht zum Montag mit ihren Ermittlungen begann, bislang keine Aussagen zur Brandursache machen will, dürfte wohl auch bei dem zweiten Feuer von Brandstiftung ausgegangen werden.

Gegen 18.25 Uhr wurde der Einsatzleitstelle der Polizei in Bad Segeberg über Notruf 110 mitgeteilt: Das Reetdach des Kaltenkirchener Bürgerhauses an der Friedenstraße brennt. Nur sieben Minuten später war das erste Löschfahrzeug an der Brandstelle. Schnell erkannten Polizei und Feuerwehr das riesige Ausmaß des Feuers. Es wurde Großalarm ausgelöst: Feuerwehren aus Norderstedt, Henstedt-Ulzburg, Nützen, Alveslohe, Oersdorf, Schmalfeld, Lentföhrden und Kisdorf rückten aus - insgesamt rund 360 Feuerwehrfrauen und -männer. Unter den eingesetzten mehr als 30 Fahrzeugen waren auch zwei Drehleitern und eine "Wasserkanone".

Den Rettungskräften war es nur möglich, unter schwerem Atemschutzgerät gegen die Flammen anzugehen. Doch konnte das Niederbrennen des Bürgerhauses nicht verhindert werden. Aufgrund der engen Bebauung rund um das reetgedeckte Gebäude war es dann ein Hauptaugenmerk der Wehren, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Häuser zu verhindern. Wegen der starken Rauchentwicklung wurde die Bevölkerung über Rundfunk aufgerufen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Hitze in Brandortnähe war so groß, dass die Fenster einiger Nachbarhäuser platzten. Erste Vorbereitungen für eine Evakuierung der umliegenden Gebäude wurden getroffen. Der Brandort wurde weitläufig abgesperrt; denn viele Einwohner, darunter auch Bürgervorsteherin Renate Amthor und Landrat Georg Gorrissen, nahmen regen Anteil an den Löscharbeiten.

Kaltenkirchens Bürgermeister Ingo Zobel zeigte sich entsetzt über den zweiten Brand binnen 24 Stunden. Er sprach noch in der Nacht allen eingesetzten Rettungsdiensten und der Polizei seinen Dank und seine Anerkennung für den Einsatz aus, bei dem vier Feuerwehrmänner leicht verletzt wurden. Der Verwaltungschef bezifferte nach ersten vorsichtigen Schätzungen die Schadenshöhe auf etwa 2,5 Millionen Mark. Glück im Unglück: Zur Zeit des Brandes war keine Veranstaltung im Bürgerhaus, das monatlich von durchschnittlich 1300 Personen genutzt wurde.

Die Brandruine wurde gestern erneut von Sachverständigen der Polizei untersucht. Die Ermittlungen der Brandursache dürften sich wegen der schweren Feuereinwirkung als äußerst schwierig erweisen. Eine heiße Spur, so Polizeisprecher Horst-Peter Arndt, gibt es noch nicht. Von der Vernehmung einiger  Zeugen, die sich zwischenzeitlich gemeldet haben, verspricht sich die Kripo Hinweise, die die Ermittlungsarbeit ein Stück voranbringen könnten. Dennoch ist die Polizei weiter auf die Mitarbeit der Bevölkerung angewiesen. Personen, die Hinweise geben können, seien sie nach eigener Einschätzung auch noch so banal, werden dringend gebeten, sich unter Tel. 04551/8840 bei der Kripo in Bad Segeberg zu melden.

Das niedergebrannte Bürgerhaus war 1741 als Ostpastorat der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde errichtet worden. Vor 22 Jahren war es in den Besitz der Stadt Kaltenkirchen übergegangen. Es wurde aufwendig für rund 2,9 Millionen Mark restauriert und am 1. Juli 1980 seiner neuen Bestimmung übergeben sowie als Bürgerhaus eingeweiht.

Seitdem diente es Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen als Tagungsstätte. Auch für die Ausrichtung privater Feiern war es bei den Kaltenkirchener Bürgerinnen und Bürger sehr beliebt. Seit 1997 war das Bürgerhaus, wo am 19. September ein Wahllokal für die Bürgermeisterwahl eingerichtet werden sollte, teilprivatisiert.

Quelle: Hamburger Abendblatt, Norderstedter Zeitung
Link:
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erschienen am 7. September 1999


Bilder der Feuerwehr Kaltenkirchen

Einsatzfoto Einsatzfoto Einsatzfoto

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Das Bürgerhaus ist abgebrannt

Schon am Sonnabend war eine Ecke des Reetdaches angezündet worden

Kaltenkirchen (zwi) "Unfassbar!", "Schrecklich!", "Wer macht so etwas?" Die ersten Reaktionen von Augenzeugen beschränken sich auf wenige Worte. Zu tief sitzt der Schock angesichts des flammenden Infernos, in dem das altehrwürdige Bürgerhaus vernichtet wird. Selbst ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten ist machtlos gegenüber der gewaltigen Zerstörungskraft, mit der die Gluthitze das Reetdach und das Gebälk verschlingt. Vielen Zeugen des Geschehens feh1en die Worte. Sie trauern stumm um das Gebäude, das die Bezeichnung Bürgerhaus zu recht getragen hatte. Den rustikalen Versammlungsort für Vereine und idealen Treffpunkt für Kulturfreunde gibt es nicht mehr. Der Schaden dürfte in die Millionen gehen. mehr...


Trauer um ein Stück Geschichte

Kriminalpolizei hat noch keine Spur

Kaltenkirchen (zwi) Zum blauen Sommerhimmel bildete gestern das verkohlte Gerippe des Dachstuhls einen besonders auffälligen Kontrast. Immer wieder bleiben Passanten vor der Ruine des Bürgerhauses stehen und blicken stumm in die Trümmer. Viele trauern um das historische Gebäude, das am Sonntagabend durch ein Großfeuer zerstört wurde, wie um einen guten Bekannten. "Ich hatte das Haus mit der stilvollen Einrichtung in mein Herz geschlossen", meint Petra Lienow. Die Kaltenkirchenerin hatte noch am Freitag voriger Woche einen Vortrag im Bürgerhaus besucht. Aber auch zu anderen Gelegenheiten war sie gern in das ebenso gastliche wie gemütliche Reetdachhaus gekommen. "Nachdem ich von dem Brand gehört hatte, kamen mir die Tränen", schildert Frau Lienow ihre Gefühle, die sie mit vielen anderen Einheimischen teilt. mehr...

 

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