Jeden Tag sterben auf der ganzen Welt ca. 3000 Menschen bei Verkehrsunfällen auf der Straße. Eine optimale Vorbereitung auf schwere Verkehrsunfallsituation ist daher für die Feuerwehren eine zwingende Verpflichtung. Neben dem abwehrenden Brandschutz ist die technische Hilfeleistung eine der wichtigsten Aufgaben der Feuerwehren.
Um die Ausbildung der Feuerwehren auf dem Gebiet der technischen Rettung zu verbessern, wurde die Vereinigung zur Förderung des deutschen Unfallrettungswesens ins Leben gerufen. Diese hat nun am 18. und 19. November in Osnabrück den 1. nationalen Vergleichswettkampf der Feuerwehren in der Verkehrsunfallrettung ausgerichtet. Ziel war es, in einem fairen Vergleichswettkampf die Fähigkeiten der teilnehmenden Feuerwehren auf dem Gebiet der Unfallrettung zu vergleichen und Erfahrungen auszutauschen. An 2 Tagen wurden die 14 teilnehmenden Mannschaften aus Deutschland und Luxemburg mit sehr aufwendig und realistisch gestalteten Unfall-Szenarien konfrontiert, in denen sie schnell und sachgerecht die erforderlichen Maßnahmen treffen mussten, um Menschenleben zu retten.
Am 1. Tag wurde eine schwierige technische Rettung mit unbegrenztem Geräteeinsatz innerhalb von 20 Minuten durchgeführt (Unlimited Pit). Am 2. Tag stand für ein leichteres Unfallszenario nur noch eine begrenzte Anzahl an technischen Geräten zur Verfügung und die Rettung des Patienten musste nach 10 Minuten abgeschlossen sein (Limited Pit). Die Mannschaft bestand aus 6 Feuerwehrleuten mit folgender Aufgabenverteilung: Team Leader (Einsatzleitung), Medic (Innerer Retter zur Betreuung der verletzten Person), Tool (2 Mann als Angrifftrupp zur direkten Durchführung der technischen Rettung), Safe (2 Mann als Sicherungstrupp).
Jede Mannschaft erhielt ein ihr unbekanntes neues Szenario und musste eine lebende Person aus dem Fahrzeug retten.
Das erste Szenario für das Rescue Team der
Feuerwehr Kaltenkirchen bestand aus einem PKW, der auf dem Kopf liegend
seitlich durch das Dach eines Wohnmobils gebrochen war. Die Fahrerin des Pkw
war im Bereich des unten liegenden Fahrersitzes im Fahrzeug eingeschlossen.
Zusätzlich stand das Wohnmobil an einer Betonleitplanke und hatte einen
Stromkasten umgefahren, so dass das ganze Fahrzeug unter Strom stand. Zu
guter Letzt waren beide Fahrzeuge noch unter einem Berg metallischer
Bauzäune begraben. Die erste Aufgabe bestand in der Lageerkundung und
Erkennung des Gefahrenpotentials. Nach der Beseitigung der Gefahr
"Elektrizität" konnten die Metallzäune geräumt werden und der Medic konnte
zur Betreuung der Verletzten ins Fahrzeug vorgehen. Die Fahrzeuge wurden mit
Holzkeilen stabilisiert und mit dem Stabfastsystem abgestützt. Der Zugang
zur Verletzten wurde verbessert und das schwebende Fahrzeugdach mit einem
Hydraulikzylinder gesichert. Nach Durchtrennen der A-, B- und C-Säule auf
der Beifahrerseite konnte das unten liegende Fahrzeugdach kontrolliert nach
unten abgelassen werden und die verletzte Person mit einem Rettungsbrett
nach hinten aus dem Fahrzeug gerettet werden. Für diese Übung standen nahezu
alle Geräte der technischen Rettung zur Verfügung und der Einsatz konnte in
den vorgegebenen 20 Minuten abgearbeitet werden.
Das zweite Szenario bestand aus einem Pkw auf den Rädern mit eingedrücktem
Dach und eingedrückten Türen, der ebenfalls neben einer Betonleitplanke
stand und auf dessen Dach zusätzlich eine Telefonzelle lag. Für diesen
Einsatz standen nur die Beladung eines LF/HLF soweit 10 Minuten Zeit zur
Verfügung. Nach Lageerkundung und Beseitigung der Gefahr "Elektrizität"
wurde das Fahrzeug mit Keilen stabilisiert und die Telefonzelle vom Fahrzeug
geräumt. Ein direkter Zugang zur Verletzten war erst nach Entfernen des
Daches möglich. Bei dann eingetretener akuter Zustandsverschlechterung der
Patientin erfolgte eine zügige Rettung mit dem Rettungsbrett der quer im
Fahrzeug liegenden Patientin.
Die Mannschaft der Feuerwehr Kaltenkirchen war die einzige teilnehmende Mannschaft aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Sie belegte in der Einzelwertung am Sonntag im Wettbewerb "Limited Pit" den hervorragenden 3. Platz und in der Gesamtwertung den 4. Platz. Sieger in der Gesamtwertung wurde die Mannschaft des Zivilschutzes Luxemburg, gefolgt von der Berufsfeuerwehr Luxemburg und der Berufsfeuerwehr Mönchengladbach. Die Feuerwehr Kaltenkirchen war somit die beste teilnehmende freiwillige Feuerwehr.
Das Rescue-Team der Feuerwehr Kaltenkirchen wurde bei diesem Wettbewerb freundlich unterstützt und ausgestattet von den Firmen DSLC aus Niebüll, C.B. König aus Halstenbek, Rosenhagen aus Kaltenkirchen und Time Shirt aus Schmalfeld.
Neben einem ganz besonderen kameradschaftlichen Erlebnis waren die gesammelten Erfahrungen bei der eigenen Durchführung des Wettbewerbes und beim Beobachten der anderen Mannschaften von unschätzbarem Wert.
Verfasser: Dr. med. Stefan Paululat
Datum der Veröffentlichung: 26.11.2006
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Szenario Unlimited Pit am ersten Tag:
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Szenario Limited Pit am zweiten Tag:
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