Logo Stadt Kaltenkirchen Logo Kaltenkirchen kommt gut Feuerwache Kaltenkirchen
Gerade die schweren Einsätze stärken den Zusammenhalt

Der Kaltenkirchener Feuerwehrmann Jochen Schümann wechselt nach 40 Jahren in die Reserveabteilung

Kaltenkirchen - Jochen Schümann ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Am Freitag, 25. Januar, wird der Löschmeister auf der Jahreshauptversammlung der Kaltenkirchener Wehr (Beginn 19.30 Uhr in der Feuerwache) für seinen 40jährigen ehrenamtlichen Dienst geehrt. Gleichzeitig wechselt der 60-Jährige, der vielen Kaltenkirchenern als Brandschutzerzieher bekannt ist, in die Reserveabteilung. In einem Interview blickte er auf seine lange Dienstzeit zurück.

Was hat Sie 1967 bewogen, in die Feuerwehr einzutreten?
Ich wohne direkt gegenüber vom Grünen Markt, auf dem früher das Gerätehaus der Feuerwehr stand. Daher hatte ich schon früh einen Bezug zur Wehr. Von der Kameradschaft dort war ich ganz beeindruckt. Im Übrigen wollte ich auch gern bei Not und Gefahr helfen oder wie die Feuerwehr es ausdrückt: retten, löschen, bergen und schützen.

Sind Sie damals allein eingetreten?
Nein, ich habe mich zusammen mit sechs Freunden zum Dienst gemeldet. Zwei von denen sind abgesehen von mir heute noch immer Mitglieder der Kaltenkirchener Wehr.

Inwiefern haben sich die Einsätze der Feuerwehr in den vergangenen 40 Jahren verändert?
Früher wurden wir überwiegend zu Bränden gerufen. Damals gab es hier ja noch viele Bauernhöfe mit Reetdächern und Scheunen voller Heu und Stroh. Dort konnte es leicht zu Selbstentzündungen kommen. Inzwischen müssen wir immer öfter technische Hilfe leisten.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Durch den Bau der Autobahn 7 hat sich unser Zuständigkeitsbereich sehr erweitert. Bei Unfällen zwischen Quickborn und Bad Bramstedt werden wir heute hinzugezogen. Außerdem hat der Straßenverkehr natürlich ganz generell zugenommen.

Gab es früher auch schon Gefahrguteinsätze?
Nein, zu denen werden wir gerufen, seitdem in Kaltenkirchen und Umgebung Industriegebiete entstanden sind und seitdem es hier die A7 gibt.

Welche Brände sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
In den 80er Jahren brach in einer Gewürzmühle in Alveslohe ein Großfeuer aus, mitten im Winter. Wegen der Kälte froren uns die Schläuche ein, so dass wir nicht mehr löschen konnten und daher neue Schläuche anfordern mussten. Auch den Brand in der Kaltenkirchener Lagerhalle von Holz-Sierk habe ich noch deutlich vor Augen. Wir wurden zunächst zu einem kleinen Feuer in einem Container gerufen. Zu sechst kamen wir an der Brandstelle an. Kaum waren wir dort, explodierte der Container, und das Feuer griff auf die Lagerhalle über. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, dass sich die Feuerwehr bei einem Brand zurückzieht musste.

Liegt man nach einem solchen Einsatz nachts noch lange wach?
Ja, sicher. Die Bilder laufen dann im Kopf lange wie in einem Film ab. Besonders bedrückend ist natürlich auch, wenn Schwerverletzte oder Tote geborgen werden müssen. Es ist ganz wichtig, dass man dann anschließend mit den Kameraden, die auch am Unglücksort waren, über den Einsatz redet. Ein Gespräch mit Psychologen ist sogar notwendig.

Haben Sie nach solchen Einsätzen je daran gedacht, den Feuerwehrdienst aufzugeben?
Nie. Ich war immer mit ganzem Herzen dabei. Mir ist außerdem auch aufgefallen, dass gerade die schweren Einsätze den Zusammenhalt in der Wehr enorm gestärkt haben.

Bekommen Feuerwehrleute eigentlich oft ein Dankeschön für ihre Arbeit zu hören?
Die meisten Bürger sehen  unseren Dienst als selbstverständlich an und denken gar nicht darüber nach, dass wir vollkommen ehrenamtlich arbeiten. Hin und wieder kommt es aber vor, dass ein Unfallopfer nach seinem Krankenhausaufenthalt zu uns fährt und sich persönlich bedankt. Auch von Angehörigen der Opfer erhalten wir manchmal sehr nette E-Mails.

Wäre es wünschenswert, wenn die Feuerwehr mehr Unterstützung bekommen würde?
Wir brauchen auf jeden Fall mehr passive Mitglieder. Früher war es so, dass Hausbesitzer ganz selbstverständlich in die Feuerwehr eintraten. Das hat sich inzwischen leider geändert. Eine große Hilfe wäre es auch schon, wenn wir wirklich nur in Notfällen alarmiert würden. Wenn zum Beispiel eine Katze nicht von einem Baum herunter kommt, sollte dafür der Tierschutz zuständig sein, nicht die Feuerwehr.

Sie waren 40 Jahre lang Feuerwehrmann. Was waren für Sie in dieser Zeit besondere Glanzlichter?
Ein Höhepunkt war auf jeden Fall die Einweihung der neuen Feuerwache im März 1974; ein weiterer, dass Bürgermeister Fehrs Ende der 70er Jahre im Rahmen eines Beschaffungsplans dafür sorgte, dass wir innerhalb weniger Jahre drei Neufahrzeuge bekamen. Ein herausragendes Ereignis war zudem 1977 die Gründung der Jugendfeuerwehr. Davon profitieren wir heute noch, denn aus den Reihen der Jugendwehr rekrutieren sich zu einem großen Teil die Mitglieder unserer aktiven Wehr. Außerdem bin ich sehr froh darüber, dass die Feuerwehr noch immer ein fester Bestandteil unserer kulturellen Gemeinschaft ist.

Hat sich eigentlich in den vergangenen 40 Jahren etwas an der Kameradschaft geändert?
Das auf jeden Fall, denn immerhin haben wir seit den neunziger Jahren auch junge Frauen in der Feuerwehr. Das hat die Kameradschaft sehr positiv beeinflusst, denn seitdem gehen wir doch etwas rücksichtsvoller miteinander um.

Wird es Ihnen nicht schwer fallen, nach so langen Dienstjahren in die Reserveabteilung zu wechseln?
Ganz aus dem Dienst ziehe ich mich damit ja nicht zurück, denn bei Großeinsätzen wird auch die Reserveabteilung hinzugezogen. Die Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen möchte ich ohnehin noch fortführen, bis ich in fünf Jahren in die Ehrenabteilung wechseln werde.

Quelle: Segeberger Zeitung
Link:
http://segeberg.nordclick.de/
erschienen am 24. Januar 2008

 

News

 Übersicht
 
 News 2012
 
 News 2011
 
 News 2010
 
 News 2009
 
 News 2008
 
 News 2007
 
 News 2006

 Startseite