Übung: Helfer aus dem gesamten Kreis Segeberg simulieren ein schweres Zugunglück
800 Retter im Katastropheneinsatz
Landrätin Jutta Hartwieg löst den Alarm aus. In der Kreisfeuerwehrzentrale tagt der Führungsstab.
Kreis Segeberg - Die Helfer kamen aus dem gesamten Kreis Segeberg und umliegenden Orten. 800 Menschen waren im Einsatz, 112 Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge steuerten Wahlstedt an. Straßen in der Gemeinde waren gesperrt, überall waren Martinshörner zu hören. Auch wenn es nur eine Übung war: Die Katastrophenschutzeinheiten hatten am Sonnabend alle Hände voll zu tun.
Die Lage der Landeskatastrophenschutzübung "Nachbar 2008" klang bedrohlich: Ein Sturmtief tobt im Kreis Segeberg und richtet schwere Verwüstungen an. Bäume stürzen um, Gebäude sind überflutet. Feuerwehr und Rettungsdienst sind im Dauereinsatz. Doch dann kommt es "richtig dicke". Auf einem Bahnübergang in Wahlstedt prallt ein mit 175 Personen besetzter Nahverkehrszug gegen einen Lastwagen, der giftiges Ammoniak geladen hat. Landrätin Jutta Hartwieg löst Punkt 8.15 Uhr Katastrophenalarm aus.
Die Deutsche Bahn hat auf dem Bahnübergang an dem abgelegenen Gleis einen Personenzug bereitgestellt, in dem teils grausig geschminkte Feuerwehrleute und Soldaten Verletzte darstellen. Auf der Fahrbahn steht quer ein Tankfahrzeug, aus dem "giftiger" Rauch aufsteigt. Hier dürfen zunächst nur Gefahrgut-Experten in Spezialanzügen heran. Um sich nicht in "Gefahr" zu begeben, müssen die Besatzung der Notarzt- und Rettungsfahrzeuge an den Absperrungen warten.
Notärztin Dr. Christine Hein aus Henstedt-Ulzburg ist bereits seit dem frühen Morgen auf den Beinen. Normalerweise ist sie mit dem Rettungsdienst im Kreis Segeberg unterwegs, um Verletzte und Kranke zu behandeln. Bei "Nachbar 2008" kommt auf die Leitende Notärztin eine besonders schwere Aufgabe zu. Sie muss alle "Verletzten" kurz untersuchen, um dann zu entscheiden, wo die Sanitäter die Patienten zur weiteren Versorgung hinbringen.
Auf einer Wiese am Bahngleis hat der Rettungsdienst Zelte aufgebaut. Ins graue Zelt kommt, wer glimpflich davon gekommen ist. Die gelbe Unterkunft ist für die schwereren Fälle, im roten Zelt geht es um Leben oder Tod. Christine Hein arbeitet im "Sichtungszelt", vor dem die Menschen aus dem Zug Schlange stehen.
Polizist Bernd Steiner steht an einer Absperrung. An ihm kommen nur Autos vorbei, die eine blaue Lampe auf dem Dach haben. "Die Leute hier haben großes Verständnis für die Sperrungen", sagt er.
In der Kreisfeuerwehrzentrale ist kurz nach dem Alarm der Führungsstab des Kreises Segeberg zusammen getreten. Hier laufen sämtliche Informationen zusammen. Stableiter Matthias Schröder und seine Kollegen fordern weitere Kräfte beim Innenministerium an, führen Protokoll über den Einsatz und müssen sich auch darum kümmern, ob Bestatter für die "Toten" bereit stehen.
Fünf Stunden nach dem Alarm kehren die Einsatzkräfte in ihre Unterkünfte zurück. Am 7. Oktober folgt die Manöverkritik der Führungskräfte. "Wir üben, um besser zu werden", sagt Stabschef Schröder.
Quelle:
Hamburger Abendblatt
Online, Norderstedter Zeitung
Link:
http://www.abendblatt.de/daten/2008/09/29/944688.html
erschienen am
29. September 2008
Die Übung "Nachbar 2008" hat gezeigt:
Ohne die ehrenamtlichen Helfer läuft nichts
Ein Wort ist nach diesem Wochenende fällig: Danke! Hunderte Helfer haben für die Übung "Nachbar 2008" ihr freies Wochenende geopfert, um sich auf eine Katastrophe vorzubereiten, die jederzeit kommen kann. Der Großeinsatz in Wahlstedt hat wieder einmal gezeigt, dass ohne die ehrenamtlichen Retter im Ernstfall gar nichts geht. Nur ein knappes Dutzend der 800 Einsatzkräfte war hauptamtlich im Dienst. Die Feuerwehrleute, Rettungsassistenten und THW-Helfer verdienen öffentliche Anerkennung und Respekt für ihre freiwillige und unbezahlte Arbeit. Immer noch hat sich nicht überall herumgesprochen, dass zum Beispiel im Kreis Segeberg ausschließlich freiwillige Feuerwehren im Einsatz sind. Das sollte jeder wissen, der über das Getöse der Martinshörner in der Nacht herummosert. Die Bürgermeister wissen es alle: Ein hauptamtliches System im Brand- und Katastrophenschutz wäre nicht einmal im Ansatz bezahlbar.
Quelle:
Hamburger Abendblatt
Online, Norderstedter Zeitung
Link:
http://www.abendblatt.de/daten/2008/09/29/944756.html
erschienen am
29. September 2008
Feuerwehr Kaltenkirchen in Wahlstedt
Auch ehrenamtliche Helfer der Feuerwehr Kaltenkirchen nahmen am vergangenen Samstag an der Großübung in Wahlstedt teil. Von den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Kaltenkirchen wurde ein Löschgruppenfahrzeug LF16-TS besetzt. Dieses Fahrzeug gehört zum 1. Zug der 9. Feuerwehrbereitschaft (FB) im Kreis Segeberg und wurden direkt am Bahnübergang der K 73 in Wahlstedt eingesetzt. Zudem wurden die zwei in Kaltenkirchen stationierten Fahrzeuge der Technischen Einsatzleitung (TEL) des Kreises Segeberg besetzt. Diese Fahrzeuge wurden bei der Einsatzleitung im Feuerwehrhaus Wahlstedt eingesetzt.
Verfasser: Dominik Mohr
Datum der Veröffentlichung: 29.09.2008