Im Rahmen einer Feierstunde wurde am Freitag, den 15. Mai 2009 der Freiwilligen Feuerwehr durch die Stadt Kaltenkirchen ein neues Hubrettungsfahrzeug übergeben. Hierfür übergab Bürgermeister Stefan Sünwoldt symbolisch die Fahrzeugschlüssen an Wehrführer Thomas Schwedas. In der anschließenden Rede von Sünwoldt wurde hervorgehoben: "Mit dem neuen Teleskopmast wurde die Schlagkraft der Wehr in Kaltenkirchen erhöht."

Rückblick
Seit 1971 war die Beschaffung einer Drehleiter für Kaltenkirchen im Gespräch, nachdem bei einem Dachstuhlbrand im alten Krankenhaus "Am Ehrenhain" die Feuerwehr nur unter erschwertem Einsatz an den Brandherd gelangen konnte. Damals stand aber erst der Bau der Feuerwache im Vordergrund, die am 3. März 1974 ihren Dienst aufnahm. Auch die Beschaffung anderer Feuerwehrfahrzeuge wurde der Vorzug gegeben. So wurde 1978 ein Rüstwagen (RW 2) und 1980 ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) beschafft.
Im Jahre 1982 erfolgte dann für die Freiwillige Feuerwehr Kaltenkirchen die Beschaffung der ersten und noch bis zum 15. Mai 2009 in Einsatz befindliche Drehleiter (DLK 23/12) des Herstellers Iveco Magirus, mit einem Kostenvolumen von 529.388,62 DM. Die offizielle Übergabe des Fahrzeuges an die Wehr fand am 15. Mai 1982 an der Feuerwache im Kisdorfer Weg statt. Die Drehleiter hat somit 27 Jahre für den Brandschutz in Kaltenkirchen und der Region ihren Dienst versehen.
Fahrzeugbeschaffungsprogramm der Stadt Kaltenkirchen
Nach dem Fahrzeugbeschaffungsprogramm der Stadt Kaltenkirchen werden turnusgemäß Feuerwehrfahrzeuge nach einer Dienstzeit von etwa 20 Jahren durch neue Fahrzeuge ersetzt. Im Rahmen dieser Ersatzbeschaffung stand die Beschaffung eines neuen Fahrzeuges für die bisherige Drehleiter schon seit einigen Jahren an. Aus finanziellen Gründen musste diese Maßnahme mehrmals verschoben werden. Schließlich wurden von der Stadtvertretung für die Jahre 2007 und 2008 die entsprechenden Haushalsmittel von insgesamt 650.000 Euro bereitgestellt.
Vorbereitungen zur Beschaffung eines Teleskopmastes
Im Jahre 2006 begannen die Vorbereitungen. Es wurde umfangreich recherchiert, Informationen eingeholt, andere Wehren besucht, die bereits über ein derartiges Sonderfahrzeug verfügen und Vorführungen von verschiedenen Modellen auf dem Gelände der Feuerwehr am Kisdorfer Weg durchgeführt. Nach intensiven Beratungen stand fest, ein Teleskopmastfahrzeug anstelle einer Drehleiter zu beschaffen.
Als nächster Schritt mussten die Förderanträge vorbereitet werden. Die Wehrführung hat ein umfangreiches Konvolut von Daten und Fakten als Nachweis zusammengetragen. Die Förderfähigkeit zur Beschaffung eines Teleskopmastfahrzeuges wurde vom Innenministerium am 15. Juni 2007 bei Einhaltung der relevanten DIN EN-Vorgaben für Drehleitern und Hubarbeitsbühnen anerkannt. Gleichzeitig wurde der Stadt die Ausnahmegenehmigung erteilt, statt einer Drehleiter einen Teleskopmast zu beschaffen. Der Kreis Segeberg beteiligte sich aus Mitteln der Feuerschutzsteuer mit einem Zuschuss in Höhe von 154.000 Euro an der Maßnahme.
Von der Freiwilligen Feuerwehr Kaltenkirchen wurde ein umfangreiches Leistungsverzeichnis für die erforderliche Ausschreibung zusammengestellt. Mit der Durchführung der europaweiten Ausschreibung wurde die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein GmbH AöR (GMSH) beauftragt. Nach erfolgter Submission konnten am 7. Februar 2008 folgende Aufträge vergeben werden:
Los 1
(Fahrgestell): Daimler AG, Hamburg, 92.359,65 Euro
Los 2 (Hubrettungsbühne): Metz Aerials GmbH & Co. KG, Karlsruhe, 448.234,92
Euro
Los 3 (Feuerwehrtechnische Beladung): C.B. König Feuerschutz GmbH,
Halstenbek, 36.689,18 Euro.
Die Gesamtkosten beliefen sich somit auf 577.283,75 Euro.
Verzögerungen bei der Auslieferung
Im Oktober 2008 wurden bei der Auslieferung des Fahrgestells erhebliche
Mängel festgestellt. Diese elementaren Mängel führten dazu, dass der Aufbau
der Hubrettungsbühne durch den Aufbauhersteller nicht möglich war. Erst nach
zeitintensiver Dokumentation und Klärung mit umfangreicher Korrespondenz,
einer Gesprächsrund mit allen Beteiligten im Rathaus unter Hinzuziehung
eines technischen Sachverständigen konnte der Aufbauhersteller Metz Aerials
GmbH & Co. KG schließlich Ende Januar 2009 mit der Produktion des Aufbaus
beginnen.
Einweisung in die Handhabung des Fahrzeuges
Das Fahrzeug wurde in der Zeit vom 10. bis 12. Mai 2009 im Werk in Karlsruhe
den Vertretern der Freiwilligen Feuerwehr Kaltenkirchen übergeben. Es
erfolgte vor Ort eine umfangreiche Einweisung in die Handhabung des
Fahrzeuges.
Das Teleskopmastfahrzeug
Das Teleskopmastfahrzeug ist eine Hubarbeitsbühne und hat einen Rettungsausleger. Die Rettungshöhe beträgt 32 Meter. Teleskopmasten ermöglichen die Rettung von Personen auch aus besonders exponierten Lagen, die mit herkömmlichen Drehleitern nicht zu erreichen sind. Hierbei sind die abknickbaren Gelenkteile besonders hilfreich, mit denen Hindernisse auch auf engstem Raum gewissermaßen umfahren werden können. Auf Grund des größeren Korbes gestaltet sich die Rettung von mehreren Personen ebenfalls einfacher als mit einer Drehleiter. Bis zu 6 Personen können in den Korb aufgenommen werden. Ein großer Vorteil gegenüber der bisherigen Drehleiter.
Besonders bei größeren Feuern werden Teleskopmastfahrzeuge auch zur Brandbekämpfung eingesetzt. So kann ein größerer oder schwer erreichbarer Brandabschnitt gezielt von oben bekämpft werden. Dazu verfügt der Mast (im Unterschied zu den meisten Drehleitern) über eine fest verlegte Wasserleitung zum Wasser-/Schaumwerfer am Arbeitskorb.
Zu den Besonderheiten der Teleskopmastes gehören u.a.:
Gesamtgewicht: 16 t
Euro 5 Motor, Automatikgetriebe
Fernfahrerführerhaus mit 3 Sitzplätzen
Beifahrersitz mit integriertem Atemschutzgerät
Fahrzeugfarbe: weiß mit Beklebung in leuchtrot so reflektierend gelb inklusive Konturmarkierung außen, entsprechend angepasst an die anderen neuen Fahrzeuge
Rückfahrtkamera
Hubrettungsbühne (Teleskopmast) mit 400 kg Rettungskorb für Aufnahme von bis zu 6 Personen, Rollstuhlfahrer oder Krankentrage
Montierter Wasserwerfer im Korb
Ausleger als Kran bis 2,2 t nutzbar
Im Hinblick auf die Einführung des Digitalfunks in Schleswig-Holstein, voraussichtlich ab dem Jahr 2011, wurde aus Kostengründen das vorhandene Funkgerät der bisherigen Drehleiter übernommen.
Außerdienstellung der Drehleiter
Mit dem Datum vom 15. Mai 2009, also exakt 27 Jahre nach der Indienststellung der Drehleiter, wurde durch den Bürgermeister die Drehleiter außer Dienst gestellt.
Übergabe der Drehleiter am die dänische Partnerstadt Aabenraa
Im Rahmen der Feierstunde am 15. Mai 2009 wurde die alte Drehleiter der Feuerwehr Kaltenkirchen an die dänische Partnerstadt Aabenraa übergeben. Nach der Unterzeichnung des entsprechenden Vertrages zwischen den beiden Städten übergab Bürgermeister Stefan Sünwoldt die Fahrzeugschlüssel an die Bürgermeisterin Tove Larsen.

Die Partnerstadt erhielt das Fahrzeug kostenlos, trug aber die zuletzt anfallenden Reparaturkosten über mehrere tausend Euro.
Die Stadt Kaltenkirchen und die Freiwillige Feuerwehr Kaltenkirchen wünschen der Partnerstadt Aabenraa allzeit eine gute Fahrt und wenig Einsätze mit der Drehleiter.
Verfasser: Dominik Mohr
Datum der Veröffentlichung: 16.05.2009
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