Teams aus 15 Nationen treten bei der WM in Frankfurt gegeneinander an
Frankfurt. Der Hof der Feuerwache in Frankfurt-Eckenheim wird in den kommenden Tagen gleichsam als Notstandsgebiet herhalten müssen. Aus Hunderten von Unfallautos werden Verletzte zu bergen sein, genauer: die Darsteller von Verletzten. Ab Mittwoch (21. Oktober) ermitteln Feuerwehrleute aus 15 Nationen hier vier Tage lang bei der Weltmeisterschaft der Unfallretter die besten unter ihnen. "Den Titel gibt's nur im Team", sagt der Sprecher der Frankfurter Feuerwehr, Hans-Jürgen Kohnert. Die Wettkampfstärke der aus ganz Europa, aus Südafrika und Australien anreisenden Mannschaften sei auf sechs Rettungsleute festgelegt. "Jedes der 30 Teams bringt noch Ausbilder, Notärzte und andere Spezialisten mit", erläutert Kohnert. Im Vordergrund stünden nicht Pokale, sondern Erfahrungsaustausch.
"Natürlich haben wir genug Pokale besorgt, keiner soll ohne heimfahren", sagt Kohnert. "Aber das Wichtigste ist eben, dass alle für künftige Einsätze dazulernen." Zur Unfallretter-WM treten die Teams in drei Disziplinen an. Die Disziplin "Unlimited" erlaubt die Verwendung hydraulischer Scheren und Spreizer, bei "Limited" dürfen nur handbediente Werkzeuge eingesetzt werden. Wer einen Pokal mit der Aufschrift "Rapid" mit nach Hause nehmen will, muss bei der Rettung besonders zügig zu Werke gehen, denn es droht Bewusstlosigkeit des Opfers.
"Unsere Opfer sind keine Puppen, sondern Feuerwehrkollegen", erklärt Kohnert. Dass der in den unfalltypisch hergerichteten Autos eingeklemmte Kollege mitspielen kann, ist wichtig. "Er kann dann eine eintretende Ohnmacht simulieren." Ab diesem Moment gilt die Prämisse: einem Notarzt Zugriff zu verschaffen. Generell gilt für alle Disziplinen, dass das Opfer innerhalb von zehn Minuten aus dem Fahrzeug geborgen sein muss. "Lebend natürlich", merkt Kohnert an.
Im Hof der Feuerwache 1 in Frankfurt-Eckenheim werden immer drei Teams zugleich antreten, jedes in einer anderen Disziplin. "Es soll für die weiteren Mannschaften genug zu sehen geben", erklärt Kohnert. Für die anschließend Startenden sei das zwar ein Vorteil. "Aber es geht allen ums Dazulernen." Pokal hin oder her, sagt Kohnert, im Ernstfall soll schließlich das Unfallopfer profitieren. Für Deutschland starten Feuerwehrleute aus Mönchengladbach und Kaltenkirchen (Kreis Segeberg). In Eckenheim kann ab Donnerstagmorgen jedermann zuschauen.
Die Regeln für die WM gibt die in Mittelengland residierende WRO vor, die World Rescue Organization. Täglich kämen bei Verkehrsunfällen weltweit über 3200 Menschen ums Leben, sagt WRO-Sprecher Peter Guard aus Neuseeland. Wenn dann bei einer Unfallretter-WM Zusammenarbeit, Einsatzleitung, medizinischer und technischer Erfolg geprüft würden, "verliert so eine Veranstaltung jeden albernen Hintergrund", betont er.
Die Zahl der weiblichen Teilnehmer steigt übrigens auch bei der Feuerwehr-WM, sagt Kohnert. In Deutschland und weltweit seien Männer bei den Rettungskräften noch in der Mehrheit, "aber der Frauenanteil nimmt zu". Die hydraulischen Geräte, berichtet der Feuerwehr-Sprecher, seien heute leichter als früher und nicht mehr nur für Männerhände bestimmt. Wegen ihrer meist schlankeren Gestalt könnten weibliche Retter an einem demolierten Unfallwagen gelegentlich sogar besser eingreifen als Männer.
Die Ausrichtung der jetzt neunten Unfallretter-WM fiel den Frankfurtern erst vor vier Wochen in den Schoß. Ursprünglich sollte Detroit der Schauplatz sein. Aber am Standort von General Motors am Eriesee habe man momentan wohl andere Sorgen, vermutet Kohnert. Die Frankfurter standen vor dem Problem, auf den umliegenden Schrottplätzen auf die Schnelle 120 Wettkampf-Pkws zu requirieren, die nicht angerostet sein durften. "Das war dann aber unsere leichteste Aufgabe", berichtetet Kohnert grinsend. "Der Abwrackprämie sei Dank."
Quelle:
nh24.de
Link:
http://www.nh24.de/index.php?option=com_content&view=article&id=26249:feuerwehrleute-kaempfen-um-weltmeistertitel-in-unfallrettung&catid=22:allgemein&Itemid=59
erschienen am 20. Oktober 2009