Am 5. November 2011 fand zum ersten Mal eine gemeinsame Ausbildung von Notärzten des Friedrich-Ebert-Krankenhauses Neumünster, dem Rettungsdienst des Kreises Segeberg und der Freiwilligen Feuerwehr Kaltenkirchen statt. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Vereinigung zur Förderung des deutschen Unfallrettungswesen e.V. statt.
Ziel dieses Seminars war es, die Notärzte mit der Arbeitsweise der Feuerwehr und den Methoden der modernen Verkehrsunfallrettung vertraut zu machen. Außerdem sollte die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst geschult werden. Verkehrsunfälle mit schwer verletzten und eingeklemmten Personen stellen immer eine ganz besondere Herausforderung für das gesamte Rettungsteam dar. Um auf solche Unfallsituationen besser vorbereitet zu sein, übten die Notärzte zusammen mit den Kameraden der Feuerwehr an realistisch nachgestellten Unfallszenarien. Die Teilnehmer sollten die Möglichkeit bekommen, einmal die Rolle des Patienten im Unfallfahrzeug, als „Innerer Retter“ beim Patienten und als technischer Retter am Fahrzeug zu übernehmen.
Am Vormittag wurden die Teilnehmer durch Referenten der Freiwilligen Feuerwehr Kaltenkirchen unter der Leitung von Dr. med. Stefan Paululat (Facharzt für Anästhesiologie und Gruppenführer der Feuerwehr Kaltenkirchen) in 4 Referaten theoretisch auf die praktische Ausbildung am Nachmittag vorbereitet.
Neben der Kommunikation zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst wurde die Arbeitsweise der Feuerwehr bei Verkehrsunfällen vorgestellt, um den Notärzten zu zeigen, warum eine technische Rettung so zeitaufwendig ist. Ein weiteres Referat hatte die moderne Fahrzeugtechnologie zum Inhalt. Es wurden aktive und passive Sicherheitssysteme wie Airbags, Seitenaufprallschutz und hochfeste Fahrzeugmaterialen vorgestellt, die die Fahrzeuginsassen vor den Unfallfolgen schützen sollen, dabei aber der Feuerwehr die Arbeit beim Schaffen eines Fahrzeugzuganges erschweren. Abschließend wurden in einem reich bebilderten Vortrag technische Rettungswege hinein und hinaus aus Unfallfahrzeugen insbesondere bei besonderen Fahrzeuglagen gezeigt.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es zu den praktischen Übungen zum Schrottplatz der Firma Kiesow in Norderstedt.
Dort wurden an sechs alten Autos Unfallsituationen nachgestellt.
Die Notärzte hatten Gelegenheit, bei Fahrzeugen auf den Rädern, in Seitenlage und auf dem Dach den Zugang zum Patienten sowie dessen Befreiung zu üben. Sie bedienten selbst die technischen Geräte der Feuerwehr, um eine genaue Vorstellung davon zu bekommen, wie aufwändig die technische Rettung ist.
Nach dem Öffnen des Unfallfahrzeuges wurde jeweils ein Notarzt/eine Notärztin als simulierter Patient von den Kollegen aus dem Unfallfahrzeug gerettet. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Schutz von Patient und Einsatzkräften gerichtet. Der Einsatz von Schutzkleidung und Schutzeinrichtungen für den Fahrzeuginsassen wurden intensiv trainiert.
Am Ende eines langen, ereignisreichen
Übungstages hatten alle Beteiligten viel voneinander gelernt und sind mit
einer Vielzahl von neuen Eindrücken und Erfahrungen nach Hause gefahren. Die
Übungsziele wurden durch das hohe Engagement und die Begeisterung aller
Beteiligten voll erreicht und hat zum wesentlichen Erfolg dieser
Veranstaltung beigetragen.
Die Vereinigung zur Förderung des deutschen Unfallrettungswesens e.V., gegründet 2006, Mitglied der World Rescue Organisation, ist ein Zusammenschluss von Feuerwehrleuten, Rettungsdienstmitarbeitern und Ärzten.
Die ehrenamtliche Arbeit des Vereins besteht in der Bildung eines deutschen „Rettungsstandards“ auf der Basis des internationalen Standards der World Rescue Organisation sowie dessen nationalen Verbreitung.
Um bei einem Verkehrsunfall für den Patienten das bestmögliche Überleben zu erreichen, müssen Feuerwehr und Rettungsdienst auf einem räumlich stark begrenzten Areal Hand in Hand zusammenarbeiten. Hierbei ist nicht nur die reine Technik gefragt, sondern auch das Zusammenspiel und die Kommunikation der Helfer, die Taktik und das Timing in der Versorgung und Befreiung des Verunfallten.
Die technische Rettung muss effektiv, schnell und zielgerichtet sein und im Zusammenspiel mit der medizinischen Versorgung ineinander greifen. In vielen Ländern der Erde gibt es nationale Organisationen, in denen sich Rettungskräfte zusammengeschlossen haben, um das Patientenüberleben nach Verkehrsunfällen zu verbessern und mittels eines weltweiten Mindeststandards die Feuerwehren zu schulen.
Die VFDU richtet jährlich Vergleichswettkämpfe
der Verkehrsunfallrettung aus (sog. Rescue Challenges) und kürt dabei in
drei verschiedenen Kategorien den Deutschen Meister.
Die Freiwillige Feuerwehr Kaltenkirchen, gegründet 1888, versorgt mit ihren
über 100 ehrenamtlichen Mitgliedern eine Stadt von 20000 Einwohnern im Süden
des Kreises Segeberg. Neben der Brandbekämpfung gehört die technische
Hilfeleistung wie bei Verkehrsunfällen, bei Gefahrgutunfällen oder bei der
Rettung von Menschen aus Höhen und Tiefen zu ihren Aufgaben. Im Jahre 2010
bewältigten die Kameraden 192 Einsätze.
Die Wettkampfgruppe der Freiwilligen Feuerwehr
Kaltenkirchen wurde bisher dreimal Deutscher Meister bei den Rescue
Challenges der VFDU (zuletzt 2011) und hat zweimal an den
Weltmeisterschaften der World Rescue Organisation teilgenommen.
Verfasser: Freiwillige Feuerwehr Kaltenkirchen, Dr. med. Stefan Paululat,
Krückauring 32, 24568 Kaltenkirchen, Mobil: 0157-78082581
Datum der Veröffentlichung: 23.12.2011
Vereinigung zur Förderung des deutschen
Unfallrettungswesen e.V.
www.vfdu.de
World Rescue Organisation
www.wrescue.org
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |